Meine Fehlentscheidung vor 6 Jahren - der dunkelste Tag meiner Schulzeit (14.10.2019)
- Lukas Büllmann

- 14. Okt.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Okt.
Heute vor 6 Jahren geschah bei mir das Unglaubliche: eine dramatische Fehlentscheidung, die weitreichende Folgen für mich hatte - bis heute!
Heute vor sechs Jahren gab in meiner alten Schule, der Realschule Rheinfelden einen unschönen Vorfall: Ich hatte mich damals schon seit einiger Zeit in einen Mitschüler aus einer anderen Klasse verliebt und dazu entschieden, meine Verliebtheit zu dieser Person in Form eines Liebesbriefes aufzudecken. Bereits Anfang Oktober hatte ich damals einen Liebesbrief geschrieben, bei dem ich meine Gefühle gegenüber dieses Mitschülers zusammengefasst habe. Ich habe diesen Brief in der letzten Woche vor dem Ereignis einem Kollegen gegeben, der in derselben Klasse ist wie er. Er sollte demjenigen dieses Schreiben heimlich zustecken. Ich wusste damals, dass dies zu Problemen führen könnte, aber ich wollte es in Kauf nehmen, da ich mich wegen der Verliebtheit kaum noch auf die Schule konzentrieren konnte. Es stellte sich später als einer meiner größten Fehlentscheidungen seit meiner gesamten Schulzeit heraus. Einige Tage zögerten ich. Es kam nie der „richtige Moment“ um demjenigen das Schreiben zuzustecken - bis zum Montag, den 14. Oktober 2019: Es war die zweite große Pause. Zwischen 10.50 und 11.15 Uhr kam es dazu: Derjenige, in den ich verliebt war, hat meinen Liebesbrief in die Hände bekommen. Ich weiß nicht mehr genau wie, aber ich habe nur gesehen, wie er auf dem Pausenhof stand und den Brief gelesen hat. In diesem Moment wurde mir klar, dass es jetzt kein zurück mehr gibt. Daraufhin bin ich von dem Pausenhof in den 3. Stock zur Schulbibliothek geflüchtet und habe gewartet, bis die Pause vorbei war. Als es geklingelt hat, bin ich die Treppe runter und im 2. Stock auf denjenigen getroffen. Er hat mich zur Rede gestellt und Worte gesagt wie: „Du“ „Ernsthaft“ „Geh mal weg“
Daraufhin bin ich in Richtung Klassenzimmer gerannt, wo dann auch meine Klassenlehrerin gekommen ist und die Tür für uns aufgeschlossen hat. Nach diesem ganzen Stress musste ich auch noch einen Vokabeltest schreiben, den ich total versammelt habe. Ich war total in Stress und Aufregung wie selten zuvor. Bis zum Schulschluss um 12.40 Uhr passierte aber zum Glück nichts mehr. Später am Nachmittag hatte ich noch Sportunterricht bei Herrn Schulze. Da hat aber noch niemand aus meiner Klasse davon gewusst. Den restlichen Tag war ich total aufgeregt. Ich habe die Nacht zum Dienstag schlecht geschlafen und wusste nicht, wie es nun weitergeht.
Dienstag, 15.10.2019: Die eigentliche Katastrophe geschah erst an diesem Tag. Alles begann normal. Ich bin mit dem Bus zur Schule gefahren und in den Unterricht gestartet. In der 1. oder 2. Pause kam derjenige, in den ich verliebt war und der mein Schreiben gelesen hatte mit ein paar Klassenkameraden zu mir als ich mit meiner Klasse vor dem Klassenzimmer auf den Lehrer gewartet habe. Sie haben mich darauf angesprochen und es fielen auch beleidigende Worte. Das war der Moment, in dem meine gesamte Klasse davon erfuhr, was mir sehr peinlich war. Doch es wurde nur noch schlimmer: Nach dem Unterrichtsschluss der 9. Stunde haben er und seine Klassenkameraden mich vor der Toilette abgepasst und geschlagen, geschupst und beleidigt. Ich bin total in Panik geraten und war fassungslos zugleich. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört gesehen, geschweige denn erlebt! Ich bin in Tränen aus dem Schulgebäude gerannt und zum Busbahnhof gelaufen. Die Angst und Panik an diesem Abend war unbegreiflich. Ich konnte in der Nacht zum Mittwoch kaum schlafen. Deshalb habe ich mich am Mittwoch, 16.10. auch krank gemeldet. Zu dieser Zeit war das Ganze es in der Schule in einigen Klassen wahrscheinlich publik. Am Donnerstag bin ich wieder mit einem unguten Gefühl zur Schule gegangen und hatte die folgenden Wochen Angstzustände entwickelt, weil ich immer damit rechnen muss, dass irgendetwas passiert. Ich habe mich in der Schule nicht mehr sicher gefühlt. Von demjenigen, in den ich verliebt war, habe ich vorerst nichts mehr gehört. Ein paar Wochen später (Anfang/Mitte November) hatte ich noch ein Gespräch mit der Klassenlehrerin von ihm, da die Sache auch ihr bekannt geworden ist. Ich habe mich über den tätlichen Angriff beschwert. Sie hat dann mit den betroffenen Schülern das Gespräch gesucht und eine weitere Woche später kam tatsächlich eine Entschuldigung, was ich echt nicht erwartet hätte. Dann konnte ich mit der Sache größtenteils abschließen. Doch der entstandene Schaden durch meine Fehlentscheidung bleibt jedoch für immer bestehen.
Ich werde zum Teil heute noch von Leuten aus meiner damaligen Schulzeit deswegen angesprochen. Sie haben es nicht vergessen. Genauso wenig werde ich es vergessen. Selbst ein Arbeitskollege von meiner jetzigen Arbeitsstelle weiß darüber Bescheid, da er es von jemandem erfahren hat. Wenn ich denjenigen heute in der Stadt sehe, werde ich oft mit einem bösen Blick angeschaut.
Ich werde den 14. Oktober 2019 nie vergessen. Ein Tage, an dem Furcht und Angst ihre Gesichter gezeigt haben. Einer der schlimmsten Tage in meiner gesamten Schulzeit- gefolgt von schweren Wochen. Von dort an hat sich meine Art, mit persönlichen/privaten Daten umzugehen geändert, was wahrscheinlich auch besser so ist. Seit dem habe ich alles mögliche getan, um sicher zu gehen, dass soetwas nicht noch einmal passiert.
Lukas Büllmann






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